Tanz – Freie Szene

Modul 4

Tanz zählt neben Schauspiel und Oper zu den traditionellen Sparten des Theaters. Wie wächst eine Ballettcompanie, wie kann ein attraktiver Spielplan auf der Basis vorhandener Ressourcen gestaltet werden und wie funktioniert eine umsichtige Disposition? Ebenfalls Thema des Moduls sind Unterschiede zwischen etablierter Ballettcompanie und Gruppen der freien Szene. Die sogenannte freie Szene setzt zumeist auf zeitgenössische Stückentwicklungen statt literarischen Kanon, offene und innovative Raumkonzepte statt Guckkasten-Theater, kollektive Arbeit in allen Aufführungsbelangen statt Arbeitsteilung im großen Betriebsapparat. Das freie Theater versteht sich als Experimentalraum, in dem Alternativen zu den Darstellungsweisen der etablierten Stadt- und Staatstheater geschaffen werden. Mit diesem Anspruch wird es oftmals zum vitalen Impulsgeber für etablierte und seitens der öffentlichen Hand subventionierte Theater. Dennoch leben viele Kunstschaffende der freien Szene am Rande des Existenzminimums oder müssen ihre Arbeit mit anderweitiger Berufstätigkeit querfinazieren. Aber wie kann eine Institution der freien Szene in diesem Spannungsfeld arbeiten, wie funktioniert der Spagat zwischen authentischer künstlerischer Ausrichtung, flexibler Planung, die nicht zu Lasten einer effizienten Organisation geht, und vor allem: Wie gelingt eine Finanzierung, die allen Beteiligten ein Auskommen jenseits der Armutsgrenze sichert?

Modulleitung

Stefanie Carp
   Stefanie Carp

Nach der Promotion in Literaturwissenschaften in Berlin arbeitete Stefanie Carp als Dramaturgin an verschiedenen Theatern: Düsseldorfer Schauspielhaus, Theater Basel, Deutsches Schauspielhaus in Hamburg. Sie gehörte 12 Jahre zum kreativen Team des Intendanten Frank Baumbauer. In dieser Zeit entwickelte sich eine enge künstlerische Zusammenarbeit mit dem Künstler Christoph Marthaler und der Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock. Während der Intendanz von Christoph Marthaler am Zürcher Schauspielhaus war Stefanie Carp dessen Co-Intendantin und Chefdramaturgin. 2 Jahre war sie Chefdramaturgin an der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz unter der Intendanz von Frank Castorf und 7 Jahre die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen (Intendanz: Luc Bondy). Stefanie Carp arbeitet als Dramaturgin für einzelne Produktionen (mit Christoph Marthaler, Nicolas Stemann, u.a.), hat eine Gastprofessur am Literaturinstitut Leipzig, veröffentlicht regelmässig in verschiedenen Zeitschriften und ist seit 2016 die designierte Intendantin der Ruhrtriennale für die Jahre 2018/19/20.

Referierende

Barbara Damm
   Barbara Damm

Barbara Damm studierte Germanistik, Geschichte und Politische Wissenschaften an den Universitäten in Freiburg, Wien und an der FU Berlin. Danach arbeitete sie als künstlerische Mitarbeiterin von Hella Santarossa und wurde 1996 persönliche Referentin des Intendanten an der Oper Leipzig. Ab 2001 arbeitete sie in gleicher Funktion an der Deutschen Oper Berlin und wechselte 2004 als Direktorin für künstlerische Produktion ans Festspielhaus Hellerau nach Dresden. Seit 2009 verantwortet Barbara Damm als Programmleiterin die Sparte Musik und Musiktheater mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Formaten im regulären Spielbetrieb und dem TONLAGEN-Festival, das sich erfolgreich als Werkstatt und Plattform für aktuelle musikalische Strömungen im instrumentalen Bereich wie in performativen und installativen Kontexten positioniert hat.

 

Delphine Lyner

 

  Thomas Keller

Thomas Keller (*1973) schloss  sich 2008 dem Team der Kaserne Basel an.

Nach seinem Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik in Bern (lic. phil.) , arbeitete er über zehn Jahre lang selbständig als Produzent in der freien Schweizer Theater- und Tanzszene und organisierte zahlreiche Tourneen für freie Theatergruppen wie öff öff productions, GO Theaterproduktionen, Cie Morespace, kraut_produktion u.a. in der Gessnerallee, Roten Fabrik Zürich, Dampfzentrale Bern und im Ausland. Seine Produktionen waren ausserdem bei den Berner Tanztagen und dem Zürcher Theaterspektakel zu sehen. Ebenso war er mit öff öff productions  an Eröffnungen und Grossveranstaltungen, z.B. Expo02 beteiligt. Thomas Keller vertiefte er sein Fachwissen mit dem Executive Master in Arts Administration an der Universität Zürich. Seit Mai 2015 ist Thomas Keller im Vorstand des Kunsthaus Baselland und seit 2016 im Vorstand des Vereins X-27, welcher einen CH Landesausstellung in Dübendorf plant. Gelegentlich begegnet man dem begeisterten Amateurmusiker in Basel mit dem Alphorn auf dem Rücken.