Die kulturelle Institution V: Der Konzertraum

Modul 18

In diesem Modul werden musikalische Präsentationsformen und soziale sowie organisatorisch-administrative Funktionsweisen heutiger Orchester- und Ensembleformationen vorgestellt.

Da die Geschichte des Orchesters als Gegenstück zur Geschichte des Publikums aufgefasst werden kann, lässt sich an der Entwicklung der Orchesterkultur präzise die Entstehung des „Konzertraums“ und des modernen Konzertwesens ablesen und analysieren. Von der Hofkapelle der Renaissance zum modernen Symphonieorchester oder Spezialensemble führt ein musikgeschichtlich langer und vielfach verzweigter Weg mit zahllosen interessanten Perspektiven nicht allein auf die Musik, sondern auch die Kultur- und Sozialgeschichte.

Die vielfältigen Unterschiede und Wandlungen der Verwaltung von Orchestern resultieren sowohl aus nationalen Besonderheiten und Traditionen wie auch aus ständig sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen. So unterscheiden sich Geschäftsmodelle und Rechtsformen von Land zu Land zum Teil ganz erheblich. Von den Voraussetzungen und – insbesondere – der Tragfähigkeit dieser Geschäftsmodelle soll ebenso die Rede sein wie von künstlerischen und organisatorischen Exzellenz-Kriterien, die für die Zukunft dieser Institutionen entscheidend sind.

Bei den Organisationsformen, die sich mit der Präsentation und Darstellung kleinerer und größerer Ensemblemusik herausgebildet haben, lassen sich erstaunliche Konstanten feststellen. Wir werden uns daher auch intensiv mit der Frage auseinandersetzen, wie zeitgemäß und zukunftsfähig die approbierten Konzertformen sind. Denn die einschneidenden Veränderungen der Wahrnehmung – nicht zuletzt unter dem Einfluss von neuen Kommunikationsmedien – haben neue und alternative Präsentationsformen hervorgebracht, in die heutige Erfahrungen direkt einfließen. Die teilweise sehr konträren Ansätze laden zu spannenden Diskussionen ein.

Modulleitung

Dr. Wolfgang Fink

Wolfgang Fink, geboren 1954 in Reutlingen, promovierter Musikwissenschaftler, hat zahlreiche Beiträge in internationalen Musikpublikationen veröffentlicht. Nach verschiedenen Tätigkeiten beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart war er Dramaturg und Programmgestalter bei der Alten Oper Frankfurt (1989-97), danach Chefdramaturg und Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros beim Schleswig-Holstein Musik Festival (1997-2000). Von 2001 bis 2005 wirkte er als Conseiller Artistique beim Orchestre National de Lyon und von 2005 bis 2008 als Director of Artistic Operations beim «Sydney Symphony». Von September 2008 bis August 2013 war Wolfgang Fink Stiftungsvorstand und Intendant der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie. Derzeit ist er freiberuflich tätig und arbeitet an mehreren Buchprojekten.


«Um eine Kulturinstitution zu führen, ist es wesentlich, ihre internen Strukturen zu verstehen – wie und zu welchen Zwecken sie entstanden sind. Erst dann lässt sich stringent ableiten, wie wir Institutionen sich verändernden Bedingung anpassen können, bzw. müssen. Beständig ist allein der Wandel.»

Wolfgang Fink